Oktopusse lieben gefährlich
- Johanna Thompson

- Mar 8
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Oktopusse haben nicht nur acht Arme, sondern auch ein hochkomplexes Nervensystem: Ein zentrales Gehirn sowie je ein eigenständiges Nervengeflecht in jedem der acht Arme – insgesamt neun neuronale Zentren – und drei Herzen machen sie zu den intelligentesten wirbellosen Tieren der Meere.
Auch ihr Liebesleben ist ungewöhnlich und mitunter lebensgefährlich.

Ein vorsichtiges Kennenlernen
Oktopoden sind ausgeprägte Einzelgänger. Begegnungen zwischen Männchen und Weibchen finden meist nur zur Paarungszeit statt – und selbst dann ist Vorsicht geboten. Da die Weibchen in der Regel deutlich größer sind als Männchen, kann eine Begegnung schnell tödlich enden. Um dieses Risiko zu minimieren, nähern sich viele Männchen äußerst behutsam, oft auf Armlänge Distanz. Einige Arten haben dafür sogar einen anatomisch spezialisierten Arm entwickelt.
Der besondere Arm: der Hectocotylus
Das Männchen besitzt einen speziell umgebildeten Arm, den sogenannten Hectocotylus. Mit ihm überträgt es Spermapakete (Spermatophoren) direkt in die Mantelhöhle des Weibchens ohne sich diesem körperlich zu nähern. Bei einigen wenigen Arten, etwa dem Papierboot (Argonauta), löst sich dieser Arm sogar vom Körper des Männchens und verbleibt selbstständig im Körper des Weibchens. Bei den meisten Oktopusarten bleibt der Hectocotylus jedoch am Tier.
Ein einmaliges Ereignis
Für die meisten Oktopusarten ist die Fortpflanzung ein einmaliges Ereignis im Leben. Nach der Paarung stirbt das Männchen häufig innerhalb weniger Wochen – ein Prozess, der hormonell gesteuert und evolutionär verankert ist.
Das Weibchen hingegen widmet sich nach der Paarung vollständig der Brutpflege. Es legt Tausende von Eiern in geschützten Höhlen oder Felsspalten ab und bewacht sie ununterbrochen, je nach Art über Wochen oder sogar Monate. Während dieser Zeit nimmt es kaum Nahrung auf und verlässt die Eier praktisch nicht.
Hingabe bis zum Schluss
Das Weibchen reinigt und belüftet die Eier ständig, um optimale Sauerstoff- und Hygienebedingungen zu gewährleisten. Dieser Prozess ist durch die sogenannte Seneszenz gesteuert: Hormonelle Signale aus den optischen Drüsen leiten nach der Eiablage den körperlichen Verfall ein. Erst wenn die Jungtiere schlüpfen, endet diese intensive Brutpflegephase – und damit in der Regel auch das Leben des Weibchens. Von den vielen Jungtieren überleben in der Regel nur ein bis zwei bis zum Erwachsenenalter.
Sex and the Sea
Auch dieses extreme Fortpflanzungsverhalten illustriert eindrücklich, wie vielfältig Lebensstrategien im Meer sein können. Oktopusse verfolgen eine semelpare Strategie – sie reproduzieren sich einmal, investieren dabei jedoch alles in die nächste Generation.



